Ökogarten vor der Titanic

Ich glaub´, ich muss mich mal rechtfertigen!

Anscheinend sieht es auf unseren Bildern in Facebook so aus, als wären wir auf unseren Reisen so unterwegs wie andere ihren Urlaub verbringen. Das ist nicht der Fall, daher wollen wir euch heute mal ein paar andere Bilder zeigen und den Hintergrund der ganzen Geschichte ein wenig erläutern …

Im Moment zum Beispiel verbringen wir den zweiten Monat in diesem europäischen Winter am wunderschönen Atitlan See in Guatemala. Der See liegt in einer traumhaften Kulisse, umgeben von 8 Vulkanen. Einer davon, der ein wenig weiter entfernt liegt, ist gerade sehr aktiv und hat es vor einigen Tagen bis in die Tagesschau geschafft. Fünf Kilometer hoch stieg eine der Aschewolken, die er regelmäßig ausstößt. Dieses Mal musste sogar der internationale Flughafen geschlossen werden. Die sich anschließenden Aufräumarbeiten sind noch im Gange. Kein Wunder, denn das Militär rückte mit Schaufel, Besen und Schubkarren an. Da hat man natürlich zu tun, wenn man es mit einem 3.700m hohen Vulkan aufnehmen will.

Die Menschen, die hier leben, beeindruckt das allerdings alles herzlich wenig. Ein weiteres Beispiel dafür ist der Wasserspiegel des Sees. Dieser ist in den letzten Jahren relativ stark gestiegen, pro Jahr im Schnitt um 1.50m und insgesamt bereits um mehr als 10 Meter. Weil er vorher sehr lange stabil war, hatten sich insbesondere Ausländer die Filetstücke am Ufer gesichert, die sie inzwischen wieder verloren haben, während die Indios weiter wie gehabt in ihren kleinen Dörfern weit oberhalb des Wassers leben. “Haben wir euch doch gesagt: 50 Jahre bleibt´s still, dann geht´s 50 Jahre hoch und anschließend 50 Jahre wieder runter.” Das ist ihre Antwort, wenn man sie zu den Veränderungen in den letzten Jahren befragt.

Aber zurück zum eigentlichen Thema.

Mit den meisten, die uns kennen, sind wir in erster Linie per Email und Skype in Kontakt. Und was wir auf Facebook besonders gern teilen, sind die Fotos der ausgewählten Momente, die wir ganz besonders genossen haben: Auf dem Pferd am Strand entlang reiten, bei klarem Himmel und spiegelglattem See in der kleinen motorisierten Lancha ins nächste Dorf fahren, das Dorf  Chichicastenango – einen der kulturellen Mittelpunkte des Landes – besuchen oder morgens um 3.00 Uhr aufstehen, um im Morgengrauen “die Nase des Indianers”, einen nahegelegenen Aussichtspunkt zu erklimmen. Was wir teilen sind quasi unsere “Urlaubsfotos”.

Und was wir heute mal teilen wollen, ist, (a) wie wir hier so leben und (b) was wir hier die meiste Zeit so machen und (c),  ja “c” folgt weiter unten.

(a) Es sieht in unserem “zu Hause des Monats” nämlich ganz schön einfach aus. In der Küche haben wir uns zunächst gefragt, wo wohl das fließende Wasser sei, und wie praktisch, wir fanden es samt Abtropfhilfe beim Klo. Die Frage, warum es abends so zieht, war auch leicht zu beantworten, denn nicht jedes große Loch in der Wand hat auch ein Fenster. Die Nachbarn nennen dieses Haus “Titanic, einerseits wegen seiner Form, die man auf einem der Bilder hier gut erkennen kann, und andererseits weil es vermutlich die nächste Regensaison und den dadurch verursachten Anstieg des Wasserspiegels nicht überstehen wird. Und eben diese “Titanic” hat es in unserer Herz geschafft, vermutlich aufgrund der atemberaubenden Aussicht auf den See und die umliegenden Vulkane.

(b) Sowohl Chris als auch ich können locker morgens um 7.30 Uhr das Laptop aufklappen, um es abends um 22.00 Uhr wieder zuzumachen. Chris macht zahlreiche Coachings und es ist toll von außen mitzuerleben, wie bereichernd und inspirierend das ist – eben nicht nur für die/den Coachee, sondern auch für den Coach. Die meiste Zeit sind wir allerdings mit dem Planen und Organisieren beschäftigt. Oft geht es von frühmorgens bis spätabends um das Programmieren von Webseiten, im ersten Monat war´s www.beingwithbyronkatie.de und nun ist es der Relaunch von www.thework-seminare.de. Wenn wir so wie jetzt fasziniert sind von einem Projekt, dann machen wir oft auch am Wochenende nicht halt. Deshalb haben wir jetzt mal testweise eine Fünftagewoche eingeführt, ansonsten würde das vielleicht irgendwann mal im Burnout enden und auf jeden Fall hätten wir viel zu wenig von diesem wunderschönen Land gesehen.

Was zum Glück nicht zu kurz kommt, ist der Kontakt mit den Einheimischen. Wir lieben es, auf dem Markt einzukaufen, mit dem Bauern von nebenan Gespräche über die Pflanzen, das Land und das Leben zu führen oder den Vorbereitungen auf das nächste Dorffest zuzuschauen. Das ist es, was das Reisen vom Urlaub machen unterscheidet.

Last but not least: Die Wahl der Einfachheit, die Reduktion auf das Wesentliche ist nicht nur praktisch und aus unserer Sicht dem Lebensstandard der Menschen hier angemessen, sie ist es auch, die das Ganze überhaupt erst möglich macht. Da sind wir dem Euro, selbst wenn er in letzter Zeit stark gefallen ist, echt dankbar: 12 Bananen, 3 Mangos, 1 Papaya, 2 Limetten für 24 Quetzales, das entspricht 2,80 Euro und die frische, grüne Ernte aus dem biologischen Anbau von nebenan für 10 Quetzales, das entspricht ca. 1,20 Euro. Und das beinhaltet schon den “Gringo Zuschlag” an dem wir Ausländer hier nicht vorbeikommen.

Kommen wir also zu “c”: In den letzten Tagen ist die Entscheidung gereift, wieder mehr Zeit im Jahr auf Mallorca zu verbringen und weniger unterwegs zu sein. Mal sehen, vielleicht schreibe ich in einem der nächsten Blogeinträge mehr über die Beweggründe, denn fest steht, auch die kann man schlecht in Form von Fotos oder über Facebook transportieren.

2 Kommentare
  1. Silvia Belmonte
    Silvia Belmonte sagte:

    Lieber Ralf,
    ich finde toll, wie Ihr lebt und es scheint, dass Ihr das tut, was Euch Spass macht und gut tut. Moment für Moment…Enhorabuena 🙂 Möge es noch mehr Menschen geben, die wagen, Ihren Träumen Raum zu schaffen, dann wäre die Welt sicherlich etwas freundlicher und friedvoller…Schade, dass viele Menschen nur die schönen Bilder sehen wollen und sich nicht vorstellen können, mit was das alles noch verbunden ist 😉
    Con mis mejores deseos,
    Silvia

    Antworten
  2. Christine Stapf
    Christine Stapf sagte:

    Lieber Ralf, lieber Chris, vielen Dank für das Teilen eurer Erfahrungen. Es ist sehr bereichernd und inspirierend, aus eurem Leben zu lesen und daran teilhaben zu dürfen.
    Ich habe in den letzten Monaten viele Berichte aus dem Leben von Menschen gelesen, die ihren eigenen Weg gegangen sind. Die allermeisten schreiben, wie befreiend ein minimalistischer Lebensstil sein kann: dieser hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und dass Erlebnisse und Erfahrungen viel mehr wert sind als materieller Besitz. Und wie erfüllend es ist, eine Aufgabe zu haben, die einen beflügelt.
    Wie schön, dass ich all das jetzt auch in eurem Bericht lesen darf :-). Für mich seid ihr beiden definitiv erfolgreich und das auf sehr authentische Art und Weise. Ihr seid damit ein Vorbild für mich und meinen weiteren Weg!
    Herzliche Grüße Christine

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